Reisebericht März 2021

Liebe Interessierte des Stickprogramms Guldusi,

Ich bin aus Afghanistan zurück. Es war diesmal eine längere Reise, weil ich auch in Herat war, um das 2. Stickprogramm zu besuchen. Da ich frühzeitig einen Inlandsflug buchen musste, hatte ich den Ablauf meines Aufenthalts in Afghanistan schon im Vorfeld von Freiburg aus festgelegt. Und nach diesem Plan verliefen dann die Tage. Eine Erkenntnis aus meiner Reise ist, dass Termine in Afghanistan auch nach unseren Maßstäben organisierbar sind, obwohl dort der beliebte Spruch Ihr habt die Uhr, wir haben die Zeit eine kritische Betrachtung gewisser westlicher Werte beinhaltet.

Die drei Tage auf den Dörfern
Aus Sicherheitsgründen wusste niemand, dass Khaled und ich kommen ­würden. Wir sind also unangemeldet aufgetaucht, was nach afghanischen Sitten ohne­hin in Ordnung ist. Doch da inzwischen viele ein Handy besitzen, ist es neuerdings üblicher geworden, Besuche anzukündigen. Bei uns hat die ­Geheimhaltung aber geklappt, sodass wir jeweils unerwartet in den Dorf­alltag hineingeplatzt sind. Die Tage vor Ort verliefen geschäftig und angenehm zugleich, und ich konnte eine „Ernte“ schöner Stickereien einholen. Später mehr dazu.

Zugang zu neuen Gestaltungsmöglichkeiten
Diejenigen Frauen, die figurative Motive darstellen, sind oft mit Fantasieblockaden konfrontiert und können ihr kreatives Potenzial nicht abrufen. Ich motiviere sie deshalb immer wieder, Ideen aus ihrem Alltag sowie aus ihrer Kultur zu schöpfen. Ich hoffe, damit einen Brücken­schlag herbeizuführen, sodass wir in Europa das Leben auf den afghanischen Dörfern besser verstehen können. Diesmal ging ich auf die Künstlerin Gabi Mett mit der Bitte zu, drei Beispiele zu erarbeiten. Ich schickte ihr entsprechende Fotos. Es ging darum, den Stickerinnen zu vermitteln, wie sie ihren Alltag bewusst erkunden, ein Motiv erkennen, es isolieren, neu kombinieren oder vervielfältigen können, um neue eigene Motive zu gestalten.

Ein großer Dank an Gabi! Aus ihren Entwürfen gestaltete ich ein Heft, das bei den Treffen mit den Stickerinnen herumgereicht wurde und Khaled erläuterte mehrfach am Tag das Konzept bzw. die Idee dahinter. Die Reaktionen waren unterschiedlich, von Interesse bis Desinteresse, von Überforderung bis hin zur Offenbarung, wie einfach Ideen entstehen können. Rechts sehen Sie ein Detail aus einer Decke, in Afghanistan bei einer Familie fotografiert. Sie diente Gabi Mett als Inspiration für die Entwürfe auf der vorherigen Seite.

Den gesamten Bericht können Sie mit Bildern als PDF herunterladen.