7. Reisebericht

Kurzfassung des Reiseberichts von Oktober 2013 von Pascale dann von Margreth. Den gesamten Reisebericht können Sie in der PDF-Datei (siehe oben rechts) lesen.
 
Diese Reise wäre für mich gemütlicher verlaufen, wenn sie nicht mit einer großen Herausforderung verbunden gewesen wäre: in meiner Handreisetasche nahm ich 130 so genannte „textile Rohlinge“ mit. Dabei handelte es sich um in Europa angefangene kleine Werke zum Thema „Küche und ihre Utensilien“. Die Aufgabe für die afghanischen Frauen sollte darin bestehen, die von europäischen Frauen begonnenen Textilarbeiten in kreativer Weise zu ergänzen bzw. abzuschließen. Hierfür sollte jeweils eine Fläche, die zwei üblichen Quadraten entspricht, bestickt werden.
 
Zur einführenden Präsentation des Projekts vor Ort wurde jeder Teilnehmerin eine schriftliche Anleitung ausgehändigt und, obwohl in Farsi geschrieben, im lokalen Dialekt vorgelesen und in kleinen zufällig gebildeten Gruppen kommentiert. Es ging dabei um die Erklärung der Aufgabe, die Arbeit der Europäerin fortzuführen, die ein Bild zum Thema Küche angefangen hatte. Ich sprach von der Ehre, die Möglichkeit zu haben, an einer gemeinsamen Arbeit mitzuwirken und erläuterte kurz die technischen Vorgaben.
Drei Tage später trafen wir uns wieder. Jede Stickerin stellte bei diesem Treffen den Fortschritt ihrer Arbeit vor. Ich stellte fest, dass viele sich bei ihrer Motivwahl nicht an den Vorgaben der Europäerinnen orientiert hatten. Sie hatten zwar Motive rund um das Thema Küche gestickt, hatten dies jedoch unabhängig von der ihnen überreichten Vorlage getan und damit die drei Tage zuvor besprochene Arbeitsweise nicht umgesetzt. Ich bemühte mich deshalb, die ursprüngliche Projektidee, eine begonnene Arbeit fortzuführen, erneut bewusst zu machen.
 
Drei Tage später blieb mir beim Einsammeln der Werke keine andere Wahl, als die Arbeiten so anzunehmen, wie sie mir übergeben wurden, mich zu bedanken. Ich habe mich bei den afghanischen Frauen für den durch den Projektverlauf verursachten Zeitdruck entschuldigt.
Zusammenfassung: Wie bereits gesagt haben nicht alle, wie gewünscht und erwartet, ihre Stickerei als Fortführung der Komposition der Europäerin angefertigt. Einige Frauen haben sich nicht einmal um das Oben oder Unten einer Arbeit gekümmert! Ferner haben viele zu schnell gestickt, was die Qualität der Arbeiten reduziert. Erst nach den vier Feiertagen des Id-Festes wurde mir etwas klar: die gegenseitigen Besuche werden weit über die vier offiziellen Feiertage fortgeführt.
Aber Hut ab: bis auf eine afghanische Stickerin haben es alle geschafft, ihre Arbeiten abzugeben. Ich halte das für bemerkenswert, weil es zeigt, dass sie dieses Projekt mit großer Ernsthaftigkeit fortgeführt haben.
 
Damit haben wir also eine Etappe unseres experimentellen Projekts geschafft, das bei mir wiederholt großen Zweifel hervorgerufen hat. Ich bin jetzt dennoch zuversichtlich, dass unser Kollektiv ein spannendes Ergebnis produziert, in dem die verschiedenen Kulturen mit so unterschiedlichen Realitäten und Erwartungen aufeinanderprallen.
Es wird Tradition: auch diesmal wieder wurde ich auf meiner Reise begleitet: nach Sarah 2011 und Sabine 2012 (beide flogen danach mehrfach selbstständig nach Afghanistan) kam Margreth 2013 nach dem Id-Fest nach Kabul. Ich vertraute ihr ein persönliches Anliegen an, das sie wunderbar in den Griff bekommen hat; hierzu erfahren Sie jetzt mehr.
Pascale, Januar 2014
 
Im Oktober 2013 ging für mich ein besonderer Wunsch in Erfüllung. Ich durfte Pascale nach Afghanistan begleiten. Es begann eine spannende wunderbare Zeit! Meine Aufgabe bestand darin, den Frauen und Mädchen das Stricken beizubringen, damit sie sich gegen die Kälte des Winters besser schützen können.
 
Bei meinem ersten Besuch in den Dörfern stellte ich den Frauen und Mädchen mein Projekt vor, während Pascale die Arbeiten für den „Küchenwettbewerb“ austeilte. Zu diesem Strickprojekt waren auch Frauen und Mädchen eingeladen, die nicht am Stickprojekt beteiligt sind. In meinem Reisegepäck befanden sich 4 kg gespendete Stricknadeln und Modelle für Socken, einfache gestrickte Hausschuhe und Stulpen für Arme und Beine.
Eins rechts – eins links: „rost – tschap“ auf Dari, das lernte ich schnell. Die perfekte Verständigung! Interessanterweise war es besonders die junge Generation, die sich für das Stricken begeisterte. Ich gab den Strickerinnen Wolle, Stricknadeln und die begonnenen Proben mit nach Hause, damit sie dort weiterarbeiten konnten. Welche Überraschung! Beim dritten und letzten Treffen hatten fast alle an den Proben weitergearbeitet, zum Teil sogar so viel, dass es für einen Armstulpen reichte. Die „wärmende“ Idee von Pascale war angenommen worden.
 
Manchmal wusste ich jedoch nicht wo mir der Kopf stand, denn alle erwarteten sofort und unverzüglich Hilfe. Die Motivation und der Ehrgeiz der Mädchen, es besonders gut zu machen, waren sehr groß. Sie spornten sich gegenseitig an. Strickinformationen, die ich von Khaled auf Persisch ergänzen ließ, trugen zur weiteren Verständigung bei.
 
Wird die Begeisterung anhalten? Wie weit sind die Arbeiten wohl gediehen? Das Samenkorn ist gesät und sollte nun weitergepflegt werden.
 
Für diese Begegnung in reichem Maße beschenkt und dankbar kehrte ich nach zwei Wochen zurück nach Deutschland. Weitere Stricknadelvorräte und bunte Wolle lassen mich träumen:
 
Afghanistan im Jahr 20… – ein Wunschtraum – Inshallah!
„Taschakor“ – Hobelesch-nees, Freue mich auf ein Wiedersehen!
 
Margreth, Dezember 2013